Konzept „Einstieg Deutsch“

 

VHS VERBAND

 

„Einstieg Deutsch“ ist ein niedrigschwelliges Lernangebot für Flüchtlinge. Es soll eine erste Sprachförderung auf niedrigschwelligem Niveau vermitteln und Geflüchtete in ihren Orientierungs-, Artikulation und Verständigungsmöglichkeiten

unterstützen. Das Lernangebot „Einstieg Deutsch“ basiert auf und nutzt die Fachinhalte und Übungen aus dem Lernportal „Ich will Deutsch lernen“(iwdl.de). „Einstieg Deutsch“ konzentriert sich dabei als niedrigschwelliges Lernangebot auf den Lernbereich A1+ABCim Portal und die für diesen Bereich entwickelte gleichnamige App. Für „Einstieg Deutsch“ wurde ein Curriculum entwickelt, das als

Orientierungshilfe für Lehrkräfte im Unterricht dienen soll und die Abstimmung mit den Lernbegleitern erleichtert. Es verknüpft die Themen und Lernziele mit geeigneten Übungen aus dem Lernportal iwdl.de, und der App „Einstieg Deutsch“.

Das Curriculum ist online abrufbar unter: http://portal-deutsch.de/unterrichten/einstieg

-deutsch-projektfoerderung/konzept/

 

1.Zielgruppe

 

Das Lernangebot richtet sich vorrangigen in Deutschland registrierte Flüchtlinge

aus Herkunftsländern mit guter Bleibeperspektive (das sind derzeit

Eritrea, Iran, Irak, Syrien und Somalia), die zum Zeitpunkt der Teilnahme an dem Lernangebot „Einstieg Deutsch“ noch keine Zulassung zur Teilnahme an einem

Integrationskurs durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erhalten haben. Diese sollen in erster Linie bei der Auswahl der Teilnehmenden berücksichtigt werden. Darüber hinaus dürfen auch Flüchtlinge mit unklarer Bleibeperspektive teilnehmen. Geflüchtete aus sicheren Herkunftsländern können nicht an den Lernangeboten teilnehmen.

 

Vor dem Hintergrund der Grundlagen der Arbeit von Volkshochschulen und analog zu den Altersvorgaben im Lernportal richtet sich „Einstieg Deutsch“ an Geflüchtete ab 16 Jahren. Die Teilnahme von Kindern ist nicht möglich. Angebote nur für Frauen werden als sehr sinnvoll angesehen und sind ausdrücklich gewünscht.

 

2.

 

Lernziele und –Inhalte Vorrangiges Ziel ist die Förderung der Sprechfähigkeit und des Hörverstehens von Flüchtlingen, die Förderung von umfassenden Sprachkompetenzen dagegen, z.B. hinsichtlich der Rechtsschreibung und Grammatik, stehen nicht im Zentrum von „Einstieg Deutsch“ bzw. sind nachrangig zu behandeln. Die Lerninhalte orientieren sich an den unmittelbaren und wichtigsten Alltagsbelangen, die Flüchtlinge

für ihre Erstorientierung benötigen. Darüber hinaus sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an selbstständiges Lernen herangeführt werden und erste Schritte im Umgang mit digitalen Lernmedien machen. Es handelt sich insgesamt um ein Blendend-Learning-Angebot, das aus drei Komponenten besteht:

 

a)Deutschunterricht

b)Vertiefendes Lernen

c)Exkursionen

 

  1. a) Deutschunterricht

 

Das Lernangebot „Einstieg Deutsch“ behandelt in 60 bis 100 Unterrichtseinheiten (UE) Deutschunterricht in 6 bis 10 alltagsnahen Themen, um die Lernenden mit den grundlegenden Sprachhandlungen vertraut zu machen und eine basale Sprechfertigkeit und Hörverstehen im Deutschen aufzubauen. Jedes Thema wird auf einfachstem Niveau eingeführt und ermöglicht so ein Einsteigen in den Kurs zu einem beliebigen Zeitpunkt. Innerhalb eines Themas können gleichwohl Übungen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden genutzt werden und der Umfang des angebotenen

Lernwortschatzes kann individuell auf den Lernenden abgestimmt werden.

Bei der Unterrichtsplanung können die Lehrkräfte auf das „Einstieg-Deutsch“-Curriculum zurückgreifen. (online abrufbar unter: http://portal

deutsch.de/unterrichten/einstieg-deutsch-projektfoerderung/konzept/)

Der Unterricht wird von Honorarkräften durchgeführt.

 

  1. b) Vertiefendes Lernen

 

Inhalte aus dem Deutschunterricht werden wiederholt und vertieft in weiteren

30 bis 50 UE, die von geschulten, ehrenamtlichen Lernbegleiter/-innen durchgeführt werden. Hier werden in erster Linie Übungen angeleitet und begleitet, die den zuvor vermittelten Unterrichtstoff aufnehmen. Auf einzelne Lerner/innen kann individuell (auch im Sinne einer „Nachhilfe“) eingegangen werden. Auch hier dominieren die Zielsetzungen der Verbesserung des Sprechens und Hörverstehens.

 

  1. c) Exkursionen

Auch die Durchführung von bis zu 6 Exkursionen mit einem maximalen Gesamtvolumen von 20 UE dient dazu, die Unterrichtsinhalte zu vertiefen und die Erstorientierung im Alltag zu eröffnen und zu verbessern. Neben der Bindung an die Unterrichtsinhalte und an die pragmatische Zielsetzung, die Orientierung im Alltag und im unmittelbaren Umfeld zu fördern, werden die lokalen Gegebenheiten für

die Planung und Umsetzung der Exkursionen in hohem Maße ausschlaggebend sein. Deshalb bilden die Exkursionen grundsätzlich ein optionales Element im Konzept des Lernangebotes.

 

3.Lehr- und Lernmedien

 

Das Lernangebot „Einstieg Deutsch“ basiert auf einem Blended-Learning-Konzept. Es verknüpft Präsenzlernen mit Phasen online gestützten Lernens im Lernportal „Ich will Deutsch lernen“ oder mit der App „Einstieg Deutsch“. Das heißt entweder im Deutschunterricht oder in den Phasen begleiteten, vertiefenden Lernens müssen diese

Lernmedien eingesetzt werden. Es können beide Medien oder auch

nur das Lernportal bzw. nur die App eingesetzt werden. Dabei dient der Lernbereich A1+ABC

im Lernportal „Ich will Deutsch lernen“ den Unterrichtenden als Basis für den

Deutschunterricht, den Ehrenamtlichen als qualitativ hochwertiges Material für ihre Lernbegleitung und schließlich den Lernenden als reichhaltiger Übungsraum für ihre Selbstlernaktivitäten. Neben dem Portal und der Lern-App können auch „klassische“ Lehr- und Lernmaterialien genutzt werden. Inzwischen sind einige Materialien verfügbar, die sich direkt an die Zielgruppe der Flüchtlinge wenden

und eine sprachliche Erstorientierung für Asylsuchende mit wichtigen Themen zum Alltag in Deutschland liefern, wie „Basis – Deutsch für Willkommenskurse“(Telc),

„Erste Hilfe Deutsch“(Hueber Verlag) oder „Bitte Einsteigen“ (Klett Verlag)u. Ähnliches.

 

4.Optionale

 

Prüfung A1Es werden Teilnehmer/-innen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten in Hinblick auf das Lernen generell und das Deutschlernen im Besonderen das Angebot „Einstieg Deutsch“ wahrnehmen. Einigen wird es aufgrund ihrer Vorkenntnisse oder aufgrund von förderlichen

 

Voraussetzungen möglich sein, innerhalb kurzer Zeit das A1-Niveau zu erreichen. Ihnen wird angeboten, die A1-Prüfung abzulegen und ein Zertifikat hierüber zu erhalten.

Damit wird gleichzeitig der Qualitätsanspruch des Lernangebots gestützt und die Anschlussfähigkeit an den Integrationskurs

verbessert. Zur Verfügung steht das Zertifikat „telc Deutsch A1 für Zuwanderer“, das die telc gGmbH, Tochtergesellschaft des DVV, eigens für die Zielgruppe der Flüchtlinge entwickelt hat(und zu Sonderkonditionen anbietet). Für die Durchführung der Prüfung wenden sich Volkshochschulen bitte an ihren VHS-Landesverband:

Dort erhalten sie nähere Informationen zum Ablauf, Anmeldung, Preisen etc. Andere Bildungs-einrichtungen können sich direkt an ein telc-Prüfungszentrum in ihrer Nähe wenden: eine Übersicht aller telc-Prüfungszentren findet sich auf der telc

-Website: https://www.telc.net/pruefungsteilnehmende/pruefungszentrum-finden.html

Nähere Informationen zum Prüfungsformat der Prüfung „telc Deutsch A1 für Zuwanderer“ findet sich auf der telc

Website:https://www.telc.net/pruefungsteilnehmende/sprachpruefungen/pruefungen/detail/telc-deutsch-a1-fuer-zuwanderer.html#t=35.Zeitraum Für die Durchführung von „Einstieg Deutsch“ wird ein durchschnittlicher Durchführungszeitraum von 6

Wochen(= 30Werktage) veranschlagt. Die Maßnahme kann in einem verkürzten

Zeitraum von (minimal) 4 Wochen durchgeführt werden, oder sich (z.B. durch Unterbrechungen wegen Ferienzeiten oder Krankheit der Honorarkräfte oder Lernbegleiter/innen) auf den Zeitraum von (maximal) 8 Wochen

erstrecken. Idealerweise werden pro Werktag 4 Unterrichtseinheiten Deutschunterricht und/oder begleitetes, vertiefendes Lernen durchgeführt. Mindestens an 3 Tagen pro Woche muss „Einstieg Deutsch“ angeboten werden. Für die optionalen Exkursionen werden insgesamt 20 Unterrichtseinheiten veranschlagt, es können maximal bis zu 6

Exkursionen durchgeführt werden.

 

6.Honorarkräfte und Lernbegleiter/innen

– Qualifikationen und Tätigkeiten „Einstieg Deutsch“ wird gemeinsam von

Honorarkräften und geschulten, ehrenamtlichen Lernbegleiter/innen

durchgeführt. Die Anteile Unterricht und Lernbegleitung werden allerdings getrennt

betrachtet, Ehrenamtliche führen keinen Unterricht durch. Für das optionale Prüfungselement können nur geschulte und zugelassene Prüfer/innen eingesetzt

werden. Sie stehen in jedem VHS

-Landesverband, in jeder Region zur Verfügung.

 

Nähere Informationen finden Sie unter:

VHS Lehrkräftequalifizierung